Ein Facharzt für Arbeitsmedizin kümmert sich um die Gesundheit von Beschäftigten: Er untersucht Mitarbeiter auf Eignung und arbeitsbedingte Risiken, berät Unternehmen zu Ergonomie, Gefahrstoffen, Lärm und psychischer Belastung und erkennt Berufskrankheiten frühzeitig. Patienten sind gesunde Erwachsene im Berufsleben, vom Handwerker über die Pflegekraft bis zur Führungskraft. Prävention steht im Vordergrund, nicht Akutbehandlung; ein Betriebsarzt betreut je nach Vertrag mehrere Firmen oder ein einzelnes großes Werk.

Der Arbeitstag ist planbar und findet im Betrieb, im arbeitsmedizinischen Zentrum oder in der eigenen Praxis statt. Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Arbeitsplatzbegehungen, Sitzungen im Arbeitsschutzausschuss und das betriebliche Eingliederungsmanagement wechseln sich ab. Nacht- und Wochenenddienste gibt es nicht. Betriebsärzte arbeiten eng mit Fachkräften für Arbeitssicherheit, Personalabteilungen, Betriebsräten und Berufsgenossenschaften zusammen.

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge- und Eignungsuntersuchungen
  • Begehung von Arbeitsplätzen und Gefährdungsbeurteilung
  • Beratung zu Ergonomie und psychischer Belastung
  • Impfungen und Reisemedizin für Beschäftigte
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement nach langer Krankheit
  • Erkennung und Meldung von Berufskrankheiten
  • Du interessierst dich für Prävention statt Akutmedizin.
  • Du berätst gern Unternehmen und verhandelst mit verschiedenen Interessen.
  • Du legst Wert auf feste Arbeitszeiten und Familienfreundlichkeit.
  • Du bist mobil und arbeitest gern an wechselnden Standorten.
  • Du bringst Interesse an Toxikologie, Ergonomie und Arbeitspsychologie mit.

Vorteile

  • Keine Nacht- und Wochenenddienste, planbare Arbeitszeit
  • Ausgeprägter Fachkräftemangel, viele offene Stellen bei Diensten und Konzernen
  • Solides Einkommen ohne Praxisrisiko, oft als Angestellter

Herausforderungen

  • Wenig Akutmedizin, das kann sich nach Klinikjahren als Bruch anfühlen
  • Spannungsfeld zwischen Arbeitgeberinteressen und Beschäftigtenschutz
  • Viel Fahrzeit zwischen Betrieben, umfangreiche Dokumentationspflichten
  • Zusatz-Weiterbildung Sozialmedizin
  • Zusatz-Weiterbildung Rehabilitationswesen
  • Zusatz-Weiterbildung Flugmedizin
  • Zusatz-Weiterbildung Suchtmedizinische Grundversorgung
  • Zusatz-Weiterbildung Tropenmedizin
  • Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin

Die Arbeitsmedizin gehört zu den Fächern mit dem größten Nachwuchsmangel: Ein hoher Anteil der Betriebsärzte ist über 60, während gesetzliche Vorgaben zur Betreuung aller Betriebe bestehen bleiben. Psychische Belastung, alternde Belegschaften, Homeoffice und Hitzeschutz erweitern das Aufgabenfeld. Digitale Vorsorgeplattformen und Telemedizin verändern die Betreuung von Kleinbetrieben. Große Konzerne, arbeitsmedizinische Dienste und Berufsgenossenschaften bieten sichere, gut bezahlte Positionen, auch in Teilzeit.

Wie lange dauert die Weiterbildung Arbeitsmedizin?

Fünf Jahre: zwei Jahre klinische Basis, meist Innere Medizin, und drei Jahre Arbeitsmedizin plus 360 Stunden Kurs. Ein Quereinstieg aus anderen Fächern ist verbreitet.

Ist die Arbeitsmedizin ein sicherer Beruf?

Ja, der Bedarf ist gesetzlich verankert und der Nachwuchsmangel groß. Arbeitsmedizinische Dienste, Konzerne und Behörden suchen kontinuierlich Fachärzte.

Kann ich als Arbeitsmediziner eine Praxis eröffnen?

Ja, betriebsärztliche Praxen betreuen Unternehmen auf Vertragsbasis und benötigen keinen Kassensitz. Viele Arbeitsmediziner bleiben aber angestellt, weil das Einkommen dort ebenfalls solide ist.

Wie werde ich Betriebsarzt?

Der Weg führt über ein Medizinstudium mit Approbation und die anschließende Weiterbildung. Das Studium ist auch NC-frei im EU-Ausland möglich; der Abschluss wird EU-weit anerkannt und führt zur Approbation in Deutschland.

Arbeitsmediziner verdienen ohne Dienstzuschläge, dafür bei planbarer Arbeitszeit; in Konzernen und leitenden Positionen sind die Gehälter oft außertariflich. Alle Angaben sind Bruttojahreswerte.

  • Assistenzarzt in Weiterbildung (TV-Ärzte/VKA bzw. TdL): ca. 64.000 € brutto/Jahr
  • Angestellter Facharzt in der Klinik: ca. 102.000 € brutto/Jahr
  • Oberarzt / leitender Arzt: ca. 148.000 € brutto/Jahr
  • Betriebsärztliche Praxis oder leitender Werksarzt: ca. 130.000–200.000 € brutto/Jahr je Inhaber
  • 60 Monate Weiterbildung, davon 24 Monate in Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung, in der Regel Innere Medizin oder Allgemeinmedizin
  • 36 Monate Arbeitsmedizin bei einem befugten Betriebsarzt, in einem arbeitsmedizinischen Dienst oder Institut
  • 360 Stunden theoretischer Kurs Arbeitsmedizin, anerkannt durch die Ärztekammer
  • Richtzahlen z. B. für Vorsorgeuntersuchungen, Arbeitsplatzbegehungen, Gefährdungsbeurteilungen und Begutachtungen
  • Dokumentation aller Inhalte im eLogbuch

Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer über arbeitsmedizinische Fälle, Rechtsgrundlagen und Berufskrankheiten.