Ein Facharzt für Arbeitsmedizin kümmert sich um die Gesundheit von Beschäftigten: Er untersucht Mitarbeiter auf Eignung und arbeitsbedingte Risiken, berät Unternehmen zu Ergonomie, Gefahrstoffen, Lärm und psychischer Belastung und erkennt Berufskrankheiten frühzeitig. Patienten sind gesunde Erwachsene im Berufsleben, vom Handwerker über die Pflegekraft bis zur Führungskraft. Prävention steht im Vordergrund, nicht Akutbehandlung; ein Betriebsarzt betreut je nach Vertrag mehrere Firmen oder ein einzelnes großes Werk.
Der Arbeitstag ist planbar und findet im Betrieb, im arbeitsmedizinischen Zentrum oder in der eigenen Praxis statt. Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Arbeitsplatzbegehungen, Sitzungen im Arbeitsschutzausschuss und das betriebliche Eingliederungsmanagement wechseln sich ab. Nacht- und Wochenenddienste gibt es nicht. Betriebsärzte arbeiten eng mit Fachkräften für Arbeitssicherheit, Personalabteilungen, Betriebsräten und Berufsgenossenschaften zusammen.
Die Arbeitsmedizin gehört zu den Fächern mit dem größten Nachwuchsmangel: Ein hoher Anteil der Betriebsärzte ist über 60, während gesetzliche Vorgaben zur Betreuung aller Betriebe bestehen bleiben. Psychische Belastung, alternde Belegschaften, Homeoffice und Hitzeschutz erweitern das Aufgabenfeld. Digitale Vorsorgeplattformen und Telemedizin verändern die Betreuung von Kleinbetrieben. Große Konzerne, arbeitsmedizinische Dienste und Berufsgenossenschaften bieten sichere, gut bezahlte Positionen, auch in Teilzeit.
Fünf Jahre: zwei Jahre klinische Basis, meist Innere Medizin, und drei Jahre Arbeitsmedizin plus 360 Stunden Kurs. Ein Quereinstieg aus anderen Fächern ist verbreitet.
Ja, der Bedarf ist gesetzlich verankert und der Nachwuchsmangel groß. Arbeitsmedizinische Dienste, Konzerne und Behörden suchen kontinuierlich Fachärzte.
Ja, betriebsärztliche Praxen betreuen Unternehmen auf Vertragsbasis und benötigen keinen Kassensitz. Viele Arbeitsmediziner bleiben aber angestellt, weil das Einkommen dort ebenfalls solide ist.
Der Weg führt über ein Medizinstudium mit Approbation und die anschließende Weiterbildung. Das Studium ist auch NC-frei im EU-Ausland möglich; der Abschluss wird EU-weit anerkannt und führt zur Approbation in Deutschland.
Arbeitsmediziner verdienen ohne Dienstzuschläge, dafür bei planbarer Arbeitszeit; in Konzernen und leitenden Positionen sind die Gehälter oft außertariflich. Alle Angaben sind Bruttojahreswerte.
Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer über arbeitsmedizinische Fälle, Rechtsgrundlagen und Berufskrankheiten.