Ein Facharzt für Anatomie erforscht und lehrt den Aufbau des menschlichen Körpers, von der makroskopischen Anatomie über Histologie und Embryologie bis zur Neuroanatomie. Er hat keine Patienten, sondern Studierende, Präparate und Forschungsprojekte. Im Präparierkurs führt er Medizinstudenten durch die Sektion von Körperspendern, hält Vorlesungen und prüft. In der Forschung arbeitet er mit Mikroskopie, Zellkultur, Bildgebung und molekularen Methoden, etwa zu Regeneration, Neuroanatomie oder klinischer Anatomie für Chirurgen.
Der Arbeitsplatz ist das anatomische Institut einer Universität. Der Tag besteht aus Lehre, Kursvorbereitung, Laborarbeit, Publikationen, Drittmittelanträgen und der Organisation des Körperspendeprogramms. Nachtdienste gibt es nicht, dafür Semesterspitzen mit hoher Lehrbelastung. Du arbeitest mit Präparatoren, Biologen, Doktoranden und klinischen Kollegen zusammen. Ohne Promotion und meist Habilitation ist die Karriere im Fach kaum denkbar.
Fast alle medizinischen Fakultäten suchen anatomisch ausgebildete Ärzte für die Lehre, weil viele Lehrstuhlinhaber in den Ruhestand gehen und neue Fakultäten wie in Augsburg, Bielefeld oder Brandenburg aufgebaut wurden. Gleichzeitig entstehen durch Virtual-Reality-Anatomie, 3D-Druck und digitale Sektionstische neue Lehrformate, die Anatomen entwickeln müssen. Chirurgische Trainingszentren an Körperspendern und die klinische Anatomie für Robotik-OPs erweitern das Fach über die Universität hinaus.
Vier Jahre nach dem Medizinstudium und damit die kürzeste aller Facharztweiterbildungen. Realistisch verbindest du sie mit Promotion und ersten Schritten zur Habilitation, was den Weg zur festen Stelle auf acht bis zehn Jahre verlängert.
Nein. Anatomen arbeiten mit Studierenden, Körperspendern und im Labor. Wer Medizin studiert hat, aber in Lehre und Forschung statt am Krankenbett arbeiten will, findet hier ein passendes Fach.
Als Facharzt am Institut rund 88.000 € brutto im Jahr, als Oberarzt oder außerplanmäßiger Professor etwa 119.000 €. Ein Lehrstuhl mit W3-Besoldung liegt darüber, ist aber nur nach Habilitation und Berufung erreichbar.
Nach dem Medizinstudium und der Approbation bewirbst du dich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem anatomischen Institut. Das Studium ist auch NC-frei im EU-Ausland möglich; der Abschluss wird in Deutschland anerkannt, viele Institute schätzen die internationale Erfahrung.
Anatomen sind an Universitäten nach TV-L oder Beamtenbesoldung bezahlt; das Gehalt liegt unter dem klinischer Fächer, steigt aber mit der Professur deutlich.
Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer; in der Praxis ist die Promotion Standard und die Habilitation folgt meist direkt.