Ein Facharzt für Anatomie erforscht und lehrt den Aufbau des menschlichen Körpers, von der makroskopischen Anatomie über Histologie und Embryologie bis zur Neuroanatomie. Er hat keine Patienten, sondern Studierende, Präparate und Forschungsprojekte. Im Präparierkurs führt er Medizinstudenten durch die Sektion von Körperspendern, hält Vorlesungen und prüft. In der Forschung arbeitet er mit Mikroskopie, Zellkultur, Bildgebung und molekularen Methoden, etwa zu Regeneration, Neuroanatomie oder klinischer Anatomie für Chirurgen.

Der Arbeitsplatz ist das anatomische Institut einer Universität. Der Tag besteht aus Lehre, Kursvorbereitung, Laborarbeit, Publikationen, Drittmittelanträgen und der Organisation des Körperspendeprogramms. Nachtdienste gibt es nicht, dafür Semesterspitzen mit hoher Lehrbelastung. Du arbeitest mit Präparatoren, Biologen, Doktoranden und klinischen Kollegen zusammen. Ohne Promotion und meist Habilitation ist die Karriere im Fach kaum denkbar.

  • Präparierkurs und Histologiekurs für Medizinstudierende leiten
  • Vorlesungen halten und Prüfungen abnehmen
  • Forschungsprojekte planen und Drittmittel einwerben
  • Wissenschaftliche Publikationen verfassen und begutachten
  • Körperspendeprogramm organisieren und Präparate konservieren
  • Chirurgische Trainingskurse an Körperspendern betreuen
  • Du erklärst gern und hast Freude an Lehre und Didaktik.
  • Du hast wissenschaftlichen Ehrgeiz und Ausdauer für Forschung.
  • Du brauchst keinen Patientenkontakt, um dich als Arzt zu fühlen.
  • Du bist unempfindlich gegenüber der Arbeit mit Körperspendern.
  • Du akzeptierst befristete Verträge auf dem Weg zur Professur.

Vorteile

  • Keine Nacht- oder Wochenenddienste, hohe Freiheit in Forschung und Lehre
  • Kürzeste Facharztweiterbildung mit nur vier Jahren
  • Klarer Weg zur Professur, Anatomie-Lehrstühle werden bundesweit neu besetzt

Herausforderungen

  • Niedrigstes Gehalt aller Facharztgruppen, keine Dienstzuschläge oder Praxis
  • Befristete Stellen und Abhängigkeit von Drittmitteln bis zur Professur
  • Kaum Wechselmöglichkeit in die Patientenversorgung ohne zweite Weiterbildung
  • Habilitation und Professur für Anatomie oder Zellbiologie
  • Zusatz-Weiterbildung Medizinische Informatik
  • Zusatz-Weiterbildung Ärztliches Qualitätsmanagement
  • Zweiter Facharzt in Pathologie oder Rechtsmedizin mit Anrechnung von Weiterbildungszeiten
  • Zusätzliche Qualifikation in Medizindidaktik, z. B. Master of Medical Education

Fast alle medizinischen Fakultäten suchen anatomisch ausgebildete Ärzte für die Lehre, weil viele Lehrstuhlinhaber in den Ruhestand gehen und neue Fakultäten wie in Augsburg, Bielefeld oder Brandenburg aufgebaut wurden. Gleichzeitig entstehen durch Virtual-Reality-Anatomie, 3D-Druck und digitale Sektionstische neue Lehrformate, die Anatomen entwickeln müssen. Chirurgische Trainingszentren an Körperspendern und die klinische Anatomie für Robotik-OPs erweitern das Fach über die Universität hinaus.

Wie lange dauert die Weiterbildung in Anatomie?

Vier Jahre nach dem Medizinstudium und damit die kürzeste aller Facharztweiterbildungen. Realistisch verbindest du sie mit Promotion und ersten Schritten zur Habilitation, was den Weg zur festen Stelle auf acht bis zehn Jahre verlängert.

Hat ein Anatom Patienten?

Nein. Anatomen arbeiten mit Studierenden, Körperspendern und im Labor. Wer Medizin studiert hat, aber in Lehre und Forschung statt am Krankenbett arbeiten will, findet hier ein passendes Fach.

Wie viel verdient ein Anatom?

Als Facharzt am Institut rund 88.000 € brutto im Jahr, als Oberarzt oder außerplanmäßiger Professor etwa 119.000 €. Ein Lehrstuhl mit W3-Besoldung liegt darüber, ist aber nur nach Habilitation und Berufung erreichbar.

Wie werde ich Anatom?

Nach dem Medizinstudium und der Approbation bewirbst du dich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem anatomischen Institut. Das Studium ist auch NC-frei im EU-Ausland möglich; der Abschluss wird in Deutschland anerkannt, viele Institute schätzen die internationale Erfahrung.

Anatomen sind an Universitäten nach TV-L oder Beamtenbesoldung bezahlt; das Gehalt liegt unter dem klinischer Fächer, steigt aber mit der Professur deutlich.

  • Assistenzarzt in der Weiterbildung (TV-Ärzte TdL bzw. TV-L an der Universität): ca. 60.000 € brutto/Jahr
  • Facharzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut: ca. 88.000 € brutto/Jahr
  • Oberarzt, Akademischer Rat oder außerplanmäßiger Professor: ca. 119.000 € brutto/Jahr
  • Universitätsprofessor mit Lehrstuhl (W3-Besoldung plus Leistungszulagen): ca. 120.000 bis 160.000 € brutto/Jahr
  • 48 Monate Weiterbildung an einem anatomischen Institut mit Weiterbildungsbefugnis
  • Davon 12 Monate in einem klinischen Fach, in Pathologie oder in einem anderen theoretischen Fach anrechenbar
  • Inhalte: makroskopische und mikroskopische Anatomie, Embryologie, Neuroanatomie, Präparationstechniken, Konservierung
  • Nachweis eigenständiger Lehre im Präparier- und Histologiekurs sowie wissenschaftlicher Arbeit mit Publikationen
  • Dokumentation im eLogbuch mit regelmäßigen Weiterbildungsgesprächen

Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer; in der Praxis ist die Promotion Standard und die Habilitation folgt meist direkt.