Als Facharzt für Allgemeinmedizin bist du der Hausarzt: die erste Anlaufstelle für Menschen jeden Alters mit jedem Anliegen. Du behandelst Infekte, Rückenschmerzen und Bluthochdruck genauso wie Diabetes, Depressionen oder die Nachsorge nach einem Herzinfarkt. Du erkennst, wann ein Symptom harmlos ist und wann es zum Spezialisten oder in die Klinik muss, und du begleitest chronisch kranke und alte Patienten über Jahre, oft ganze Familien.
Der Alltag spielt sich überwiegend in der Praxis ab: Sprechstunde am Vormittag, Hausbesuche und Bürokratie am Nachmittag, dazwischen Akutfälle ohne Termin. Klinikanstellungen sind selten, die Wochenend- und Nachtdienste laufen über den ärztlichen Bereitschaftsdienst der KV und sind meist planbar. Du arbeitest eng mit medizinischen Fachangestellten, Pflegediensten und Fachärzten zusammen und koordinierst die Versorgung deiner Patienten.
Rund ein Drittel der Hausärzte in Deutschland ist über 60, viele Praxen finden keinen Nachfolger. Die KVen zahlen deshalb Förderungen für Niederlassungen in unterversorgten Regionen, teils fünfstellige Beträge. Zugleich soll die Primärversorgung gestärkt werden: Hausarztverträge, Entbudgetierung und Primärarztmodelle werden politisch vorangetrieben. Digitalisierung entlastet eher, als dass sie bedroht: Videosprechstunde, elektronische Patientenakte und KI-gestützte Dokumentation verkürzen Routinearbeit, der persönliche Kontakt bleibt der Kern des Berufs.
Nach dem sechsjährigen Medizinstudium folgen 60 Monate Weiterbildung, also in Vollzeit fünf Jahre. In Teilzeit oder mit Wechseln zwischen Klinik und Praxis dauert es entsprechend länger. Insgesamt bist du damit etwa elf Jahre nach dem Abitur Facharzt.
Nein, Allgemeinmedizin gehört zu den Fächern mit dem geringsten Wettbewerb um Stellen. Die Weiterbildung in der Praxis wird von den KVen finanziell gefördert, sodass auch kleine Praxen ausbilden können. Verbundweiterbildungen bündeln Klinik- und Praxisabschnitte zu einem festen Plan.
Der Weg führt über ein Medizinstudium, das auch an vielen Universitäten im EU-Ausland NC-frei möglich ist. Der Abschluss wird in der EU automatisch anerkannt, mit der deutschen Approbation startest du dann wie jeder andere in die Weiterbildung. Für die Facharztweiterbildung zählt nur die Approbation, nicht der Studienort.
Nach der Klinikphase deutlich besser als in den meisten operativen Fächern: keine Nachtdienste im Krankenhaus, feste Sprechzeiten, Teilzeit möglich. Als Praxisinhaber trägst du allerdings die Verantwortung für Personal und Wirtschaftlichkeit. Viele wählen deshalb bewusst die Anstellung im MVZ oder eine Gemeinschaftspraxis.
In der Klinikphase verdienst du nach Tarif wie jeder Assistenzarzt, danach entscheidet vor allem die Niederlassung über dein Einkommen.
Die Facharztprüfung ist ein mündlich-praktisches Fachgespräch vor einem Prüfungsausschuss der Landesärztekammer. Geprüft werden typische hausärztliche Fälle, Differenzialdiagnosen und die Frage, wann du überweisen oder einweisen musst.