Die 7 härtesten Medizinstudium-Aufnahmetests der Welt – Deutschland ist nicht dabei
11.09.2026
Platz 7: EMS – der Schweizer Eignungstest für Medizinstudium
Fangen wir mit dem an, der deutschen Bewerbern am nächsten ist: dem EMS. Der Eignungstest für das Medizinstudium ist der Schweizer Bruder des deutschen TMS – ähnliche Aufgabentypen, ähnliche Logik, aber mit einer höheren Gewichtung bei der Zulassung. In der Schweiz entscheidet der EMS sehr direkt über deinen Studienplatz, egal wie gut deine Matura (Abitur) war.
Der Test dauert rund 4 Stunden und testet unter anderem Textverständnis, quantitatives Denken, Figuren lernen und naturwissenschaftliches Grundverständnis. Der Clou: Er ist in der Anmeldung auf eine Handvoll Termine im Jahr beschränkt und kostet Geld. Wer schlecht abschneidet, muss ein Jahr warten. Kein zweiter Versuch im Herbst.
Für deutsche Abiturienten ist der EMS trotzdem eine echte Option: Mit einem guten Score kann man in Zürich oder Bern studieren – auch mit NC 2,0. Das macht ihn gleichzeitig zur Chance und zur Hürde.
Platz 6: IMAT – Medizinstudium in Italien auf Englisch
Wer hätte gedacht, dass Italien eines der begehrtesten Ziele für internationale Medizinstudierende ist? Der IMAT (International Medical Admissions Test) eröffnet den Zugang zu englischsprachigen Medizinstudienplätzen an italienischen Staatsuniversitäten – in Bologna, Mailand, Pavia und anderen Städten. Die Gebühren sind moderat, die Lebenshaltungskosten ebenfalls, und die Qualität der Ausbildung ist solide.
Der Test selbst ist 100 Minuten lang und besteht aus 60 Multiple-Choice-Fragen zu Logik, allgemeiner Bildung, Biologie, Chemie, Physik und Mathe. Klingt machbar? Ist es auch – aber die Konkurrenz ist brutal. Bewerber aus ganz Europa, dem Nahen Osten und Asien konkurrieren um eine begrenzte Zahl von Plätzen. Die cutoff scores steigen jährlich. Man braucht wirklich gute Vorbereitung, um reinzukommen.
Platz 5: UCAT – kognitives Denken unter extremem Zeitdruck
Der UCAT (University Clinical Aptitude Test) wird in Großbritannien und Australien genutzt und ist ein echter Nerventest – nicht wegen des Inhalts, sondern wegen des Tempos. Du hast für manche Abschnitte weniger als 30 Sekunden pro Frage. Das Ziel: herausfinden, wie du unter Druck funktionierst und ob du klinisches Urteilsvermögen hast.
Der UCAT besteht aus fünf Abschnitten: Verbales Denken, Quantitative Argumentation, Abstraktes Denken, Entscheidungsfindung und Situationales Urteilsvermögen. Wer sich gut auf den UCAT vorbereitet, übt vor allem Geschwindigkeit – nicht Faktenwissen. Das ist eine völlig andere Leistungsform als das, was wir im deutschen Bildungssystem kennen.
Ein britischer Freund hat mir mal erzählt, dass er drei Monate lang täglich UCAT-Mock-Tests gemacht hat. Drei Monate. Nur für diesen einen Test. Ich hab ihn angeschaut und gedacht: Ich hätte das nicht durchgehalten.
Platz 4: BMAT – der Torwächter für Oxford und Cambridge
Wer in Großbritannien an Oxford, Cambridge oder einigen anderen Elite-Universitäten Medizin studieren will, braucht neben exzellenten A-Levels auch den BMAT (BioMedical Admissions Test). Der Test hat drei Teile: Denkfähigkeiten und Problemlösung, wissenschaftliches Wissen und Anwendung – und einen Schreibteil, in dem man ein Essay zu einem vorgegebenen Thema verfasst.
Dieser Schreibteil ist das, was viele unterschätzen. Man hat 30 Minuten für ein gut strukturiertes Argument – auf Englisch, handgeschrieben, unter Prüfungsbedingungen. Cambridge sieht in diesem Essay, wie klar und strukturiert du denkst. Keine Schablone, kein Schema F. Wer sich in Deutschland über Deutschaufsätze beschwert hat, würde den BMAT-Schreibteil hassen.
Die Akzeptanzrate bei Oxford Medicine liegt bei unter 10 Prozent – auch mit einem guten BMAT-Score. Es geht dann noch weiter mit dem MMI-Interview. Der BMAT ist also kein Garant für einen Platz, sondern nur das erste Sieb.
Platz 3: Konkours Médecine – Frankreichs Paukhölle
In Frankreich gibt es keinen Aufnahmetest vor dem Studium. Stattdessen beginnt jeder, der das Baccalauréat hat, das erste Studienjahr Medizin (früher PCEM1, heute PASS oder L.AS). Am Ende dieses Jahres gibt es ein Auswahlexamen – und nur ein Bruchteil der Studierenden kommt weiter.
Diese Konkurrenz ist das, was französische Studierende als „Konkours“ bezeichnen, und sie ist legendär hart. Die Durchfallquote im ersten Jahr liegt je nach Universität bei 80 bis 90 Prozent. Man lernt das ganze Jahr lang unter dem Damoklesschwert, dass ein einziges schlechtes Examen die Karriere beendet. Viele Französen beschreiben das erste Medizinjahr als traumatisch – das Wort ist nicht übertrieben.
Das System wurde 2020 reformiert, aber der Grundmechanismus bleibt: Masse rein, Großteil raus. Das führt zu einer extremen Lernkultur, in der soziale Kontakte, Sport und Selbstfürsorge im ersten Jahr schlicht nicht existieren.
Platz 2: GAMSAT – der Marathon unter den Medizintests
Der GAMSAT (Graduate Medical School Admissions Test) ist für Australien, Irland und einige britische Universitäten der Schlüssel zu Graduate-Entry-Medizinprogrammen. Und er ist brutal – nicht weil er besonders trickreiche Fragen stellt, sondern wegen seines Ausmaßes.
Der GAMSAT dauert einen ganzen Tag: Section I (Reasoning in Humanities and Social Sciences, 75 Fragen, 100 Minuten), Section II (Written Communication, 2 Essays in 65 Minuten) und Section III (Reasoning in Biological and Physical Sciences, 110 Fragen, 170 Minuten). Gesamtlänge inklusive Pausen: rund 5,5 Stunden aktive Testzeit.
Section III ist das eigentliche Monster: Chemie, Organische Chemie, Physik und Biologie auf Uni-Niveau – und das nach einem Bachelor in einem ganz anderen Fach, denn der GAMSAT richtet sich an Graduate-Bewerber. Viele bereiten sich 6 bis 12 Monate intensiv vor. Es gibt eine ganze Industrie aus Vorbereitungskursen, die allein für den GAMSAT existiert.
Ein australischer Bekannter hat den GAMSAT dreimal gemacht, bevor er einen guten genug Score hatte. Drei Jahre seines Lebens für einen einzigen Test. Respekt.
Platz 1: MCAT – der König der Medizintests
Und dann ist da noch der MCAT. Der Medical College Admission Test ist mit Abstand der umfassendste, aufwendigste und bekannteste Medizintest der Welt. Er wird in den USA und Kanada für die Bewerbung an Medical Schools genutzt – und er ist so groß, dass ihm ein eigener Wikipedia-Artikel kaum gerecht wird.
Der MCAT dauert 7 Stunden und 30 Minuten – aktive Testzeit. Mit Pausen sitzt du fast den ganzen Tag. Er testet vier Bereiche: Biologische und biochemische Grundlagen lebender Systeme, Chemische und physikalische Grundlagen biologischer Systeme, Psychologische, soziale und biologische Grundlagen des Verhaltens (ja, Psychologie und Soziologie gehören dazu) und Kritisches Analysen und Argumentieren.
Dieser letzte Abschnitt ist der, den viele natürwissenschaftlich geprägte Bewerber am stärksten unterschätzen: Lesen, Interpretieren, Argumentieren – auf Zeit, ohne Vorkenntnisse, mit Texten aus Philosophie, Geschichte, Literatur.
Die durchschnittliche Vorbereitungszeit für den MCAT liegt laut Association of American Medical Colleges bei 300 bis 350 Stunden. Viele Bewerber berichten von 500+ Stunden. Es gibt ganze Unternehmen – Kaplan, Princeton Review, Blueprint – die Millionen damit verdienen, Menschen auf den MCAT vorzubereiten.
Und dann gibt es noch den Kontext: Der MCAT ist nur ein Teil der Bewerbung. Danach kommen noch Essays, Empfehlungsschreiben, Volunteering-Nachweise und Interviews. Der MCAT allein macht oder bricht dich nicht. Aber ohne einen guten Score kommst du nicht mal in die Auswahl.
Und Deutschland?
Deutschland hat den TMS, der dem EMS und dem UCAT ähnelt – aber er ist optional und wird nicht überall genutzt. Die meisten deutschen Medizinstudierenden haben in ihrem Leben noch keinen echten Aufnahmetest abgelegt. Das hat Vor- und Nachteile: Einerseits werden kognitive Kompetenzen, die über Schulnoten hinausgehen, kaum getestet. Andererseits enthält der NC wenigstens keine 7,5-stündige Tortur, nach der du nicht mehr sicher bist, ob du noch weißt, wie du heißt.
Was man sagen kann: Wer den TMS macht und gut abschneidet, kann trotz schlechterem NC einen Studienplatz bekommen. Das ist die nächste Entwicklungsstufe des deutschen Systems – und es geht in die richtige Richtung.
Meinung des Autors
Ich werde öfter gefragt, ob ich den deutschen NC schlimm finde. Ehrlich gesagt: nein, nicht mehr – seit ich verstanden habe, was Alternativen bedeuten. Drei Monate Vollzeit-Vorbereitung für den GAMSAT, 7,5 Stunden im Prüfungsraum für den MCAT, ein ganzes erstes Studienj ahr auf Biegen und Brechen für den französischen Konkours. Das klingt nach mehr Stress, nicht weniger.
Aber ich finde, Deutschland unterschätzt den TMS noch immer. Er ist ein gutes Instrument, er ist prädiktiver als Abiturnoten, und er gibt Menschen mit einem 2,0-Abitur eine faire Chance. Wenn ihn mehr Hochschulen ernst nehmen würden – und nicht nur als Tie-Breaker – wäre das deutsche System schon deutlich gerechter. Da ist noch Luft nach oben.
Fazit
Die sieben härtesten Aufnahmetests der Welt zeigen eines ganz deutlich: Die Selektion vor dem Medizinstudium ist international kein Randthema, sondern ein zentrales Qualitätsinstrument. Ob das in Deutschland mit dem TMS irgendwann ähnlich ernst genommen wird, bleibt abzuwarten.
Für dich als Bewerber bedeutet das konkret: Wenn du den NC nicht hast, schau dir den TMS an. Wenn du die Schweiz in Betracht ziehst, lerne den EMS kennen. Wenn du in die USA willst, fang früh an – sehr früh. Und wenn du nach Australien möchtest, reservier dir schon mal ein Jahr für die GAMSAT-Vorbereitung. So oder so: Kein Weg ist einfach. Aber alle führen dahin, wo du hinwillst.
Häufige Fragen
Welcher Medizin-Aufnahmetest ist der schwerste der Welt?
Der MCAT gilt aufgrund seines Umfangs (7,5 Stunden aktive Testzeit), seiner Bandbreite (Naturwissenschaften, Psychologie, Soziologie, kritisches Lesen) und der extrem langen Vorbereitungszeit (300 bis 500+ Stunden) als der anspruchsvollste Medizin-Aufnahmetest weltweit.
Kann ich als Deutscher den EMS in der Schweiz ablegen?
Ja. Deutsche Abiturienten können am EMS teilnehmen und sich für Schweizer Medizinstudienplätze bewerben. Ein gutes EMS-Ergebnis kann einen mittelmäßigen NC ausgleichen. Der Test findet einmal jährlich statt.
Muss man in Deutschland einen Aufnahmetest machen?
Nein, der TMS (Test für Medizinische Studiengänge) ist in Deutschland optional. Er wird von vielen Hochschulen als Teil des AdH-Verfahrens anerkannt und kann bei der Zulassung helfen, ist aber kein Pflichtbestandteil der Bewerbung.
Wie lange dauert der GAMSAT?
Der GAMSAT dauert einen ganzen Testtag: rund 5,5 Stunden aktive Testzeit über drei Abschnitte, plus Pausen dazwischen. Er gilt als einer der längsten und erschöpfendsten Medizintests weltweit.
Wie kann ich mich auf den UCAT vorbereiten?
Der UCAT testet vor allem Geschwindigkeit und kognitives Denken unter Zeitdruck, nicht Faktenwissen. Die effektivste Vorbereitung sind regelmäßige Mock-Tests unter echten Zeitbedingungen, am besten über mehrere Monate hinweg. Es gibt kostenlose Musterprüfungen auf der offiziellen UCAT-Website.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
Über 500 vermittelte Studienplätze an mehr als 25 Partneruniversitäten in über 10 Ländern. Die Erfahrungen unserer Studierenden kannst du unabhängig auf Trustpilot nachlesen.
Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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