Kinderchirurgie: Facharztausbildung, Alltag, Gehalt und wo Stellen zu finden sind
18.09.2026
Das Fach im Überblick: Was Kinderchirurgen täglich tun
Kinderchirurgen behandeln Patienten von der Geburt bis ins Jugendalter, in manchen Zentren bis 18 Jahre. Das Spektrum reicht von Notfällen wie Appendizitis, Invagination und Polytrauma bis zu elektiven Eingriffen bei Hodenhochstand, Leistenhernien und Reflux. Dazu kommen kindliche Tumoroperationen – Nephroblastome, Neuroblastome – die ein enges Zusammenspiel mit der Kinderonkologie erfordern. In Perinatalzentren der höchsten Versorgungsstufe gehören Eingriffe bei Neugeborenen mit Ösophagusatresie, Zwerchfelldefekten oder Analatresie zum Alltag.
Was viele unterschätzen: Kinderchirurgen sind keine „kleinen Allgemeinchirurgen“. Das Fach schließt Thorax-, Viszeral- und Urogenitaloperationen ein, die in der Erwachsenenmedizin von drei verschiedenen Fachgebieten abgedeckt werden. Kurz gesagt: Ein Kinderchirurg operiert alles – sofern der Patient unter 18 ist.
Weiterbildung Kinderchirurgie – Struktur und Zeitplan
| Abschnitt | Dauer | Inhalt |
|---|---|---|
| Basisweiterbildung Chirurgie | 24 Monate | Gemeinsamer chirurgischer Kern: Allgemein- und Viszeralchirurgie, Notfallversorgung |
| Schwerpunkt Kinderchirurgie | 48 Monate | Stationäre Kinderchirurgie (mind. 36 Monate), Kinderorthopädie, Endoskopie, Kinderanästhesie |
| Gesamtdauer | 72 Monate | 6 Jahre Weiterbildungszeit |
Die Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer schreibt für den Facharzt Kinderchirurgie eine Gesamtdauer von 72 Monaten vor: 24 Monate in der gemeinsamen Basisweiterbildung Chirurgie und 48 Monate in der Kinderchirurgie selbst. Davon müssen mindestens 36 Monate in stationärer kinderchirurgischer Versorgung absolviert werden. Hinzu kommen definierte Eingriffszahlen: 200 Operationen als Operateur, 150 als Assistent – mit einem Querschnitt aus Notfalleingriffen, elektiver Viszeralchirurgie und Thoraxchirurgie.
Das Besondere an der Kinderchirurgie: Sie kann nur an Abteilungen weitergebildet werden, die als Kinderchirurgie ausgewiesen sind. Bundesweit gibt es rund 80 solcher Weiterbildungsstätten, viele davon an Universitätskliniken oder großen Kinderkliniken. Der Markt ist enger als in anderen Fächern. Das hat einen Vorteil, der selten genannt wird: Wer eine Stelle bekommt, hat wenig operative Konkurrenz.
{{cta}}Gehalt in der Kinderchirurgie
Kinderchirurgen in öffentlichen Kliniken werden fast ausnahmslos nach TV-Ärzte (Marburger Bund) bezahlt. Die Grundgehälter unterscheiden sich nicht vom allgemeinen chirurgischen Niveau, variieren aber je nach Bundesland, Träger und Erfahrungsjahr. Bereitschaftsdienste erhöhen das Jahreseinkommen je nach Abteilung deutlich.
Eigene Schätzung auf Basis von Stellenanzeigen und Gesprächen mit Ärzten in Weiterbildung und Vermittlung (Stand 2025):
| Position | Brutto/Monat | Jahresgehalt ca. (inkl. Dienste) |
|---|---|---|
| Assistenzarzt (1.–3. Jahr) | 5.200 – 6.000 € | 62.000 – 72.000 € |
| Assistenzarzt (ab 4. Jahr) | 6.000 – 6.800 € | 72.000 – 82.000 € |
| Facharzt Kinderchirurgie | 6.800 – 8.000 € | 82.000 – 96.000 € |
| Oberarzt | 8.000 – 10.500 € | 96.000 – 126.000 € |
| Chefarzt | individuell | 130.000 – 250.000 € inkl. Privatpatientenanteil |
Privatpraxen oder MVZ für Kinderchirurgie gibt es kaum – das Fach ist fast vollständig klinisch organisiert. Chefarztstellen sind selten frei; die Fluktuation ist gering. Wer in einer der 80 Abteilungen aufsteigen will, braucht meist einen langen Atem.
Internationaler Blick: Kinderchirurgie in anderen Ländern
Schweiz: Kinderchirurgen in der Schweiz absolvieren eine 6-jährige Weiterbildung nach SIWF-Programm. An Zentren wie dem Kinderspital Zürich oder dem Inselspital Bern liegt das Gehalt für Kaderärzte laut FMH-Gehaltserhebung 2024 zwischen 180.000 und 240.000 CHF brutto jährlich. Stellen entstehen selten – die Zentrumsdichte ist gering, dafür ist das Renomée der Zentren hoch.
Österreich: In Österreich heißt das Fach offiziell Kinder- und Jugendchirurgie; die Ausbildung dauert 6 Jahre. Hauptzentren sind das AKH Wien, das Landes-Krankenhaus Graz und das Kepler Uniklinikum Linz. Gehälter für fertige Fachärzte liegen nach Angaben der ÖÄK bei ca. 70.000 – 90.000 € brutto jährlich.
Großbritannien: Im NHS durchlaufen angehende Kinderchirurgen ein Specialty Training von ST1 bis ST8 (8 Jahre). Das Great Ormond Street Hospital in London und das Royal Manchester Children’s Hospital zählen zu den international bekanntesten Zentren. Consultant-Gehälter nach NHS England Pay Scale 2025: ca. 93.000 – 105.000 GBP.
USA: Nach einem 5-jährigen General Surgery Residency folgt ein 2-jähriges Pediatric Surgery Fellowship. Laut Medscape Physician Compensation Report 2024 verdienen Pediatric Surgeons in den USA durchschnittlich rund 420.000 USD jährlich. Das macht das Fach zu einem der einkommensstärksten Subspecialties der US-Chirurgie.
Stellenmarkt und Karrierewege: Was realistisch ist
Der Stellenmarkt für Kinderchirurgie ist überschaubar. Kliniken mit Weiterbildungsstatus schreiben regelmäßig Assistenzarztstellen aus; die Liste der zugelassenen Weiterbildungsstätten ist über die jeweilige Landesärztekammer abrufbar. Suchportale wie Medi-Jobs, der Ärzteblatt-Stellenmarkt oder der Marburger Bund Stellenpool listen offene Positionen – bundesweit selten mehr als 50 gleichzeitig.
Wer nicht darauf warten möchte, dass in einer der 80 deutschen Abteilungen eine Stelle frei wird, kann die Weiterbildung teilweise oder vollständig im deutschsprachigen Ausland absolvieren. Schweizer Weiterbildungsprogramme sind SIWF-anerkannt und ermöglichen nach Rückkehr in vielen Bundesländern die direkte deutsche Anerkennung. Gleiches gilt für österreichische Programme.
Für Medizinstudenten, die Kinderchirurgie in Betracht ziehen: Das Fach wird nicht an jeder Universität wirklich gelehrt. Wer ein PJ-Tertial oder eine Famulatur an einer ausgewiesenen kinderchirurgischen Abteilung absolviert – auch in Österreich, der Schweiz oder Skandinavien – verschafft sich einen messbaren Vorteil bei der Bewerbung auf Weiterbildungsstellen.
Meine Meinung als Zahnarzt und Gründer
Kinderchirurgie ist das Fach, das am häufigsten übersehen wird, wenn Medizinstudierende über ihre Facharztentscheidung nachdenken. Es konkurriert weder mit der Glamour-Wahrnehmung der Herzchirurgie noch mit der Work-Life-Balance-Diskussion rund um die Radiologie. Dabei ist es eines der operativ vielseitigsten Fächer überhaupt.
Was mich aus der Beratungspraxis beschäftigt: Viele Bewerber stellen fest, dass Weiterbildungsstellen extrem konzentriert sind – 80 Abteilungen bundesweit bedeutet, dass man seinen Lebensplan der Geographie unterordnen muss. Wer nicht mobil ist oder familiäre Bindungen hat, stößt schnell an Grenzen. Das ist eine ehrliche Einschätzung, keine Warnung gegen das Fach.
Meine persönliche Einschätzung: Wer Kinderchirurgie ernsthaft in Betracht zieht, sollte das Gespräch mit Weiterbildern frühzeitig suchen – am besten im PJ, wenn möglich in einem Tertial an einem Kinderchirurgiezentrum. Und wer seinen Ausbildungsweg flexibel gestalten kann, findet in der Schweiz oder Österreich oft bessere Rotationsmöglichkeiten bei vergleichbarer späterer Anerkennung in Deutschland.
Zusammenfassung
- Die Weiterbildung zum Facharzt Kinderchirurgie dauert 6 Jahre (24 Monate Basisweiterbildung Chirurgie + 48 Monate Kinderchirurgie) und ist nur an rund 80 zugelassenen Weiterbildungsstätten in Deutschland möglich.
- Das Tätigkeitsspektrum ist ungewöhnlich breit: Kinderchirurgen operieren viszeral, thorakal und urogenital – alles am pädiatrischen Patienten von der Geburt bis 18 Jahren.
- Gehälter liegen als Facharzt bei 82.000 – 96.000 € brutto jährlich nach TV-Ärzte; Oberärzte erreichen bis zu 126.000 €.
- Der Stellenmarkt ist eng – das bedeutet aber auch eine niedrige Bewerberkonkurrenz für diejenigen, die sich frühzeitig positionieren.
- International bieten Schweiz, Österreich und Großbritannien strukturierte Weiterbildungswege mit guter Übernahmechance und vergleichbarer späterer Anerkennung.
- PJ oder Famulatur in einer kinderchirurgischen Abteilung erhöht die Chancen auf eine Weiterbildungsstelle erheblich – und kann im Ausland absolviert werden.
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Häufige Fragen zur Kinderchirurgie
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Kinderchirurgen?
Die Weiterbildung dauert insgesamt 6 Jahre: 24 Monate in der chirurgischen Basisweiterbildung und 48 Monate in der Kinderchirurgie. Die Facharztprüfung erfolgt vor der zuständigen Landesärztekammer.
Wo finde ich Weiterbildungsstellen in der Kinderchirurgie?
Es gibt bundesweit rund 80 zugelassene Weiterbildungsstätten, überwiegend an Universitätskliniken und großen Kinderzentren. Die aktuelle Liste ist bei der jeweiligen Landesärztekammer abrufbar. Portale wie Medi-Jobs und der Ärzteblatt-Stellenmarkt listen freie Stellen.
Was verdient ein Kinderchirurg in Deutschland?
Als Facharzt sind 82.000 – 96.000 € brutto jährlich nach TV-Ärzte realistisch. Oberärzte liegen bei bis zu 126.000 €, Chefärzte je nach Privatpatientenanteil deutlich darüber.
Ist Kinderchirurgie auch ambulant oder in der Praxis möglich?
Kaum. Das Fach ist fast vollständig klinisch geprägt. Einige spezialisierte Zentren bieten ambulante Eingriffe an (z.B. Hernien, Hodenhochstand), aber eigenständige Praxen für Kinderchirurgie sind in Deutschland selten.
Wie schwer ist es, eine Weiterbildungsstelle in der Kinderchirurgie zu bekommen?
Der Markt ist eng, aber nicht übersättigt – weil das Fach wenige kennen und gezielt ansteuern. Frühe Kontakte über Famulatur oder PJ und Mobilität erhöhen die Chancen erheblich.
Kann ich Kinderchirurgie auch in der Schweiz oder Österreich ausbilden?
Ja. Beide Länder haben eigenständige Weiterbildungsordnungen. Schweizer SIWF-Abschlüsse sind in vielen deutschen Bundesländern anerkennungsfähig; österreichische ÖÄK-Abschlüsse ebenso, mit individueller Prüfung je Bundesland.
Was ist das operative Spektrum in der Kinderchirurgie?
Kinderchirurgen operieren viszeral (Appendix, Darm, Leber), thorakal (Lunge, Ösophagus, Zwerchfell), urologisch (Hoden, Niere, Blase) und versorgen Traumata sowie Tumoren. Das Spektrum ist breiter als in den meisten anderen chirurgischen Fächern.
Welche Kliniken haben das breiteste Weiterbildungsspektrum in der Kinderchirurgie?
Universitätskliniken in Heidelberg, München (Dr. von Haunersches Kinderspital), Hannover, Köln und Hamburg bieten das vollständige Spektrum. Das Kinderspital Zürich und das AKH Wien zählen als internationale Referenzzentren.
Gibt es Spezialisierungen innerhalb der Kinderchirurgie?
Ja – neonatale Chirurgie, pädiatrische Onkochirurgie, minimal-invasive Kinderchirurgie und Kindertraumatologie sind klinische Schwerpunkte. Formal sind sie keine anerkannten Subspezialitäten, führen aber in der Praxis zu klar unterscheidbaren Profilen.
Wie unterscheidet sich Kinderchirurgie von der Kinder- und Jugendmedizin?
Kinderchirurgie ist ein chirurgisches Fach – der Kinderchirurg operiert; der Pädiater behandelt konservativ. Die Fächer arbeiten eng zusammen, sind aber weiterbildungsrechtlich getrennt und haben unterschiedliche Karrierepfade.
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Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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